Bis das Meer leer ist

Über 170 Millionen Tonnen Fische werden jährlich weltweit gefangen.1 Das ist so viel wie 850 000 Blauwale, 28 000 000 Elefanten oder 100 000 000 Kleinwagen. Der Fakt, dass die Mengen, die wir fischen, nicht in der Anzahl der Tiere, sondern in Tonnen erfasst wird, sagt eigentlich schon ganz eindeutig das Ausmaß, das der Fischfang weltweit erreicht hat. Unzählige Fischarten sind überfischt und das Ökosystem Meer gerät immer weiter aus dem Gleichgewicht. Selbst den Tiere, die nicht von Menschen gefangen werden, ist es durch Lärmbelästigung und Umweltverschmutzung kaum möglich in ihrem natürlichen Lebensraum zu leben und überleben. 

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Was im Meer ist, ist auch im Fisch

Sehr viele Menschen halten Fisch aufgrund des hochwertigen Eiweiß, der Mineralstoffe, Omega-3-Fettsäuren und des Jods für besonders gesund. Dabei wird dann noch gehofft, dass es reicht auf Siegel zu achten, um beispielsweise Überfischung nicht zu fördern.2

An eins wird häufig nicht gedacht: Nicht nur die Überfischung schadet der Umwelt und dem Ökosystem, sondern auch Umweltverschmutzung an sich und besonders die Plastikmüllentsorgung. So ist Fisch direkt schon gar nicht mehr so gesund, wenn man Mikroplastik und Schwermetalle aus dem Meer oder Chemie und Antibiotika aus der Fischzucht mit verspeist. Wie gefährlich Plastik für die Meere und Fische ist, erfährst du hier. Schwermetalle wie Quecksilber findet man häufig in Thunfisch, da dieser Fisch weiter oben in der Nahrungskette steht. Gefährlich kann das auch für Kinder sein, weil diese aufgrund ihrer nicht abgeschlossenen Organentwicklung anfälliger für Nervenschäden sind. Roher Fisch in Sushi kann Würmer enthalten. Beispielsweise der in Japan vorkommende Anisakis-Wurm kann ernsthaft krank machen und in besonders schlimmen Fällen sogar zum Darmdurchbruch führen.

Außerdem gibt es keine Höchstmenge für Pflanzenschutzmittel, das für die Konservierung Fischfutters genutzt wird, in Fischfleisch und wurde im menschlichen Körper und sogar in der Muttermilch junger Frauen nach dem Konsum von Zucht-Lachs nachgewiesen.3 Somit ist der Verzehr von Fisch definitiv mit einem gewissen Risiko verbunden, welches man durch den Verzicht reduzieren kann und trotzdem die darin enthaltenen Nährstoffe durch eine geeignete pflanzliche Ernährung kompensieren kann.

Immer Meer und niemals genug

Derzeit wird jedoch noch sehr viel Fisch konsumiert und dementsprechend gefangen. Der gesundheitliche Aspekt ist jedoch lange nicht das größte Problem. Solange viel Nachfrage für Fisch besteht, sollte die Fischerei zumindest verantwortungsvoll von Statten gehen. Das wird leider nicht selten außen vor gelassen. Das merkt man daran, dass ein Drittel der Fischbestände weltweit überfischt sind und im Mittelmeer sind es sogar über 90 %. Überfisch und bedeutet, dass mehr Fisch aus den Beständen gefangen wird, als durch die natürliche Vermehrung und Zuwanderung nachwächst. Das ist deshalb problematisch, weil das gut ausbalancierte Ökosystem des Meeres dadurch aus dem Gleichgewicht gerät. Im Klartext bedeutet das weniger mehr kleinere Fische, weniger Arten und dadurch verschwindet auch die Nahrungsgrundlage vieler Meerestiere. Gerade durch den Beifang sind auch viele andere Meeresbewohner bedroht als nur Fische. So kommen auf 80 Millionen Tonnen Fisch, 40 Millionen Tonnen Beifang. Dazu gehören Wale, Haie, Seevögel und auch Schildkröten.4

Besonders großen Schaden richten auch sogenannte Geisternetze an, die im Meer entsorgt wurden und endlos unnötig weiter fischen. An der Fischfangindustrie hängen viele Arbeitsplätze, jedoch gehen die entweder durch Fangverbote verloren oder wenn es sich ausgefischt hat. Bei einer der beiden Fälle würde man die Umwelt weniger zerstören. Schutzgebiete und der Verbot von gewissen Schleppnetzen ist leider nur der Tropfen auf den heißen Stein. Das wird nicht ausreichen, um die zerstörerische Ausbeutung der Meere signifikant zu reduzieren oder zu verhindern, jedoch ist es zumindest ein Anfang.

Fische für die Fische fischen?

Bei der Fischzucht sind bestimmte Hygienestandards, umweltfreundliches Futter und genügend Platz unglaublich wichtig. Das Tierwohl wird dadurch gesteigert und auch das Risiko für Krankheiten reduziert. Als Käufer hat man dabei einen großen Einfluss. Einerseits kann durch einen verminderten Konsum die Nachfrage und somit auch der Fischfang reduziert werden. Andererseits kann der Kauf von Fisch aus verantwortungsvolleren Quellen den Markt dieser vergrößern. Weiterhin ist es der Umwelt dienlich weniger Raubfische wie beispielsweise Lachs zu kaufen, weil diese natürlich auf Fisch(mehl) als Futter angewiesen ist, welches zu weiterer Überfischung der Meere führt. Alternativen sind hier die sich pflanzlich ernährenden Karpfen oder auch Welse.5

Siegeldschungel

MSC – Wahrscheinlich das bekannteste Siegel, wenn es um Fischfang geht. Inzwischen sind auch sehr viele Produkte mit dem MSC-Siegel zertifiziert. Wenn das jedoch bedeutet würde, dass bei diesen Fischereien auf Nachhaltigkeit und verantwortungsvollen Fischfang geachtet werden würde, dann müsste es um den Fischfang eigentlich nicht so schlecht stehen, doch das tut es. In den vergangenen Jahren sind vermehrte Fälle von „Finning“ bei MSC-zertifizierten Flotten aufgedeckt worden. Das ist, wenn Haie nur wegen ihrer Rückenflosse gefangen und anschließend mit einem qualvollen Tod wieder dem Meer überlassen werden. Auch Schleppnetze von Groß-Fischereien und massiver Beifang schließt die Vergabe des Siegels nicht aus.6

Bei den Zuchtsiegeln Naturland und Bioland kann man zumindest davon ausgehen, dass die oben erwähnten Zuchtstandards eingehalten werden. Während bei Siegeln auf eine möglichst geringe Umweltverschmutzung durch Schadstoffe und Medikamente geachtet wird, ist es nur bei dem Bioland-Siegel so, dass nur Friedfische gehalten werden, welche pflanzliches Futter bekommen. Jedoch hebt Naturland hervor, dass zur Fütterung der Raubfische ausschließlich Reste aus der Speisefischverarbeitung verwendet werden und eben dafür eben nicht extra gefischt wird.7 Natur- und Bioland bauen übrigens auf den Grundlagen des EU-Siegels auf, welches jedoch eine vergleichsweise viel zu hohe Besatzungsdichte und kritische Chemikalien erlaubt.

Auch bei dem ASC-Siegel sind bestimmte Standards zur Haltung gesetzt. Jedoch sind diese in einer Verhandlung verschiedener Interessengruppen entschieden worden und somit eher als Kompromiss zu verstehen. So soll beispielsweise der Medikamenten Einsatz reduziert werden, jedoch sind die Vorgaben sehr schwach. Außerdem ist genauso wie bei Naturland auch hier die Zucht von Raubfischen üblich und fördert somit zusätzlichen Futterfang. Ein weiterer Kritikpunkt ist, dass das Siegel schon während der Umstellung gemäß der Auflagen verwendet werden darf.8

Das Problem der meisten Siegel ist, dass es sich dabei häufig um große Konzerne handelt, die einerseits nicht alles kontrollieren können und natürlich andererseits auch an einem Gewissen Profit Interesse haben. Kauf bei lokalen und verantwortungsvollen Fischereien scheint, je nach Möglichkeit, neben dem Verzicht die beste Lösung zu sein.

Vegane Alternativen

Um an die gesunde und wichtige Omega-3-Fettsäuren zu kommen, ohne Fleisch oder Fisch zu essen, ist ein regelmäßiger Verzehr von Lein- oder Rapsöl, Walnüssen oder Leinsamen ausreichend. Da Vegetrarier:innen und Veganer:innen im Durchschnitt mehr Omega-6-Fettsäuren zuführen, sollte hier, um ein gesundes Verhältnis zu wahren, eher reduziert werden. Zum Beispiel durch die verminderte Benutzung von Sonnenblumenöl.9

Algen sind zwar eine vegane Alternative zum Fisch, jedoch können diese ebenso mit Schadstoffen belastet sein oder besonders hohe Werte an Jod aufweisen. Somit ist diese Alternative zumindest aus gesundheitlicher Sicht ebenso mit Vorsicht zu genießen. Sojageschnetzeltes oder auch filetierte, gehäutete und entkernte Tomaten hingegen geben einen viel unbedenklicheren Ersatz für Thunfisch ab. Außerdem Punkten die Tomaten noch mit einem guten Vitamin C Wert. Auch Lachs auf Karottengrundlage ist eine gesunde und umweltfreundlichere Alternative als das Original und die Zubereitung kann man da auch ganz einfach selbst in die Hand nehmen.10

Das Meer sowie das Leben aller Meerestiere und -pflanzen gilt es zum Wohle der Menschheit und der Erde zu schützen. Fisch bewusster und reduzierter zu konsumieren scheint die einzige Möglichkeit als Einzelperson einen Unterschied zu machen, da die Industrie viel zu oft der Wirtschaft und nicht der Umwelt dient. Es liegt also an dir und mir solange die Politik weltweit keine klaren Grenzen setzt.

Quellen

  1. Fischkonsum Rekordwert
  2. Gesunder Fisch
  3. Gesundheitsrisiko durch Umweltverschmutzung 
  4. Überfischung
  5. Aquakulturen, Raub- und Friedfische
  6. MSC in der Kritik
  7. Fischsigel im Überblick
  8. ASC in der Kritik
  9. Omega-3- und Omega-6-Fettsäuren
  10. Schadstoffbelastung von Algen

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