Body Neutrality – Ideale in der Kritik

Wenn das Aussehen zum Mittelpunkt des Lebens wird, kann das nicht nur schnell gefährlich werden, sondern auch den Spaß am Leben sehr schnell verringern. Die Schönheitsideale der heutigen Zeit haben einen sehr hohen Stellenwert bei sehr vielen Menschen, nicht nur Frauen. Jedoch sind es häufiger Frauen, die unzufrieden mit ihrem Körper sind und schon in jungen Jahren auf nicht immer ganz ungefährliche Weise versuchen, einem Schönheitsideal zu entsprechen. Wie gefährlich kann das werden und was haben wir aus der „Body Positivity“ Bewegung gelernt?

Inhalt

Alles muss perfekt sein

Schönheitsideale ist die Idealvorstellung davon, was schön ist.1 Da es aber keine feste Größe für die Schönheit oder Perfektion des Menschen gibt, gibt es auch nicht ein universelles Schönheitsideal. Durch Einflüsse der Umwelt wie beispielsweise Kultur, Vermögen und die Lebensumstände wird ein Schönheitsideal geformt. Der Wandel der Schönheitsideale über die Geschichte der Menschheit ist der perfekte Beweis dafür, dass es hinfällig ist. Denn wenn es wirklich den rational perfekten Körper geben würde, dann könnte es ja nicht passieren, dass sich dieser sich im Laufe der Jahre immer wieder ändert.

Für eine Durschschnittsperson ist es meist nicht einfach, diesem Ideal zu entsprechen. Sonst wäre es ja auch nicht ein Ideal, sondern der natürliche Standard. Und genau da fangen die Probleme an. Eine Statistik zeigt, dass sich 69 Prozent der Mädchen und jungen Frauenim Alter von sieben bis 21 Jahren selbst als „nicht gut genug“ betrachten.2 Ein Grund dafür ist, dass der Druck der Schönheitsideale von allen Seiten auf junge Menschen einprasselt: Soziale Medien, Fernsehen, Werbung und Gleichaltrige in der Schule und Freizeit.

Was bei Sendungen wie „Germany’s Next Topmodel“ neben der Modelbranche bewusst oder unbewusst im Mittelpunkt steht ist: „Wer nicht schön oder perfekt genug ist, fliegt raus“. Genauso bildet Film und Fernsehen hauptsächlich Menschen ab, die als besonders schön beziehungsweise dem Ideal entsprechen empfunden werden. Durchschnittlich aussehende Menschen, und das ist nicht negativ gemeint, werden nicht abgebildet und dadurch ausgegrenzt. Das überträgt sich wiederum auf den Alltag und sorgt dafür, dass Personen allein aufgrund ihres Aussehen Opfer von Gewalt und Ausgrenzung werden. Die Hälfe der 10.000 Befragten der „Annual Bullying Survey“ gaben an, bereits gemobbt worden zu sein. Die Hälfte dieser aufgrund ihres Aussehens. 3

Gefahr einer verzerrten Welt

Um in dem Schönheitswahn der heutigen Zeit mithalten zu können, sehen einige Jugendliche keinen anderen Ausweg als waghalsige Diäten und die damit verbundenen Essstörungen. Malzeiten auslassen und auf wichtige Nährstoffe zu verzichten, zusammengefasst gesagt ein toxisches Verhältnis zum Essen zu haben, ist alles andere als gesundheitsfördernd und macht ganz bestimmt nicht auf Dauer glücklich.

Und das Thema Essstörung ist längst ein großes Problem: Von 1 000 Mädchen und Frauen erkranken durchschnittlich etwa 28 an einer „Binge-Eating-Störung“, 19 an Bulimie und 14 an Magersucht. Während es bei Frauen 61 von 1000 sind, die erkranken, sind es bei Männern nur 18.4 Ein weiterer Faktor neben der physischen, ist die psychische Gesundheit. Egal, ob man bereits unter einer Essstörung leidet oder nur ein verzerrtes Selbstbild hat, das Ergebnis ist häufig Unzufriedenheit, ein schlechtes Gewissen und Einsamkeit und da die meisten Menschen im jungen Alter darunter leiden, ist es im Zuge der Pubertät und sozialen Zugehörigkeit noch schlimmer mit einer Essstörung um zu gehen.

Die Freiheit der Akzeptanz

Bei Body Positivity geht es um die Liebe zum eigenen Körper und Selbstbewusstsein zu gewinnen.5 Das hört sich auf jeden Fall schon mal besser an als sich für ein Schönheitsideal verändern zu wollen und der Bewegung ist auch zu verdanken, dass Schönheitsideale überhaupt hinterfragt werden. In der Theorie klingt das erstmal sehr gut, denn wenn man seinen Körper liebt und nicht verachtet, dann lässt es sich viel leichter leben, oder? Doch seinen Körper zu lieben ist leichter gesagt als getan, wenn man sich in der Welt einmal umschaut. Gerade in sozialen Medien werden hohe Standards gesetzt und viele Menschen werden Opfer von Hassrede und Gewalt.

40% der Befragten einer Studie zu Hass im Netz haben schonmal Hassrede im Netz beobachtet. Bei jüngeren sind es sogar 73%.6 Es ist nicht so einfach, unter diesem Umständen seinen Körper zu lieben. Gerade dann, wenn viele der „Body Positivity“-Bewegung Plus-Size Models sind, die mit ihrer schmalen Taille und Gesicht doch nicht so ganz vom dem derzeitigen Schönheitsideal abweichen. Kritisiert wird also, dass im Netz wieder einmal ein verzerrtes Bild gezeigt wird und sich Menschen, die „nicht einmal“ eine schmale Taille oder ein schlankes Gesicht haben sind weiterhin aufgrund ihres Aussehens benachteiligt fühlen.7

Ist Schönheit der Schlüssel zum Glück?

Bisher ging es sehr viel um das Aussehen und wie man sich selbst schön fühlen kann. Aber müssen wir uns überhaupt schön fühlen, um glücklich zu sein? Immerhin sind wir doch viel mehr als das und nun mal in unsere Haut geboren. Das führt uns zu dem Thema Body Neutrality. Dabei geht es darum, dem Aussehen weniger Bedeutung beizumessen und sein eigenes Selbstwertgefühl nicht so sehr mit der Äußeren Erscheinung zu koppeln.8 Dazu gehört auch sich einfach mal vor den Spiegel zu stellen und den Körper zu betrachten, ohne diesen zu bewerten. Außerdem kann es sehr hilfreich sein, in den sozialen Medien die Influencer aus dem Feed zu sortieren, bei denen das meist retuschierte Aussehen im Mittelpunkt steht.

In einem weiteren Schritt, lässt sich das dann auch auf das Umfeld übertragen. Freund:innen und Familienmitglieder nicht mehr zu fragen, ob diese ab- oder zugenommen haben und generell weniger über Themen zu sprechen, bei denen das Aussehen im Fokus steht, denn das sollte es nicht.9

Wenn man beim Essen und der Bewegung mehr darauf achtet, was einem guttut, wird man schnell merken, dass der Körper sehr eindeutige Zeichen gibt. Große Mengen an Fast Food machen uns schlapp und antriebslos.10 Eine Runde zu Spazieren oder einfach nur an die frische Luft zu gehen tut den meisten Menschen unfassbar gut. Wenn man weiß, wie der eigene Körper tickt und sich etwas mit augewogener Ernährung auseinandergesetzt hat, dann kann man die Zeit auf dieser Erde mehr genießen, als beim Kalorienzählen. Es sollte mehr um das eigene Wohlbefinden gehen, als um ein Schönheitsideal und Body Neutrality weist den Weg dahin.

Quellen

  1. Schönheitsideal
  2. Unzufriedenheit unter jungen Frauen
  3. The Annual Bullying Survey
  4. Häufigkeit von Essstörungen
  5. Body Positivity Definition
  6. Hass im Netz
  7. Body Positivity in der Kritik
  8. Body Neutrality
  9. Body Positivity ist gut, Body Neutrality ist besser
  10. Ernährung in Beziehung zum Glücklichsein

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