Das abstrakte Stück Fleisch

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Fleisch ist für viele Menschen immer noch ein Grundbaustein eines jeden Gerichts und der gesamten Ernährung. Egal, ob Bio oder Billigfleisch, es gehört zum Alltag vieler dazu. Eine gute Malzeit besteht dann häufig aus Fleisch und Beilage und deshalb ist es auch aus dieser Perspektive schwierig sich vorzustellen, vegetarisch oder vegan zu leben, da man annimmt von dort an nur noch Beilagen zu essen. Doch was bedeutet es eigentlich ein Stück Fleisch auf dem Teller liegen zu haben? Ist Bio-Fleisch besser als Billigfleisch und essen Veganer:innen dann nur noch Beilagen?

Ein Stück Fleisch

Welche Assoziationen hat man mit diesem Ausdruck: Ein Stück Fleisch? Lecker, saftig, zäh, geschmacklos, faserig, trocken und noch vieles mehr. Meistens beziehen dich diese Assoziationen natürlich mit dem Stück Fleisch als etwas, das man zubereitet und verspeist. Es ist eigentlich absurd, dass wir beim Anblick und auch der Bezeichnung von Fleisch den Gedanken an ein totes Tier gekonnt verdrängen. Immerhin hat dieses „Stück“ einmal gelebt und auch ebenso wie wir das Verlangen zu leben. Kalbsfleisch sind Leichenteile einer Babykuh und Lammfleisch die eines Babyschafs.

„Ich kaufe nur Bio-Fleisch“

Ach ja, diesen Satz hat jede:r Vegetarier:in oder Veganer:in schon einmal gehört. Nicht das ich gefragt hätte welches oder wie viel Fleisch jemand verspeist, aber trotzdem bekomme ich diese Aussage immer wieder zu hören. Es fühlt nicht ein wenig so an als wollen omnivore Menschen sich damit ihr Gewissen rein waschen oder zumindest ihren Fleischkonsum rechtfertigen. Immerhin hört man immer wieder, dass die Tiere, von denen das Bio-Fleisch kommt „ein schönes Leben hatten“ und, dass es „glückliche Tiere“ sind. Leider finden es viele Vegetarier:innen und Veganer:innen etwas problematisch sich vorzustellen, dass Tiere in Gefangenschaft, die von Geburt an ausgebeutet und zum Tode verurteilt sind, „glücklicher“ sein sollen, wenn ihnen lediglich mehr Fläche zur Verfügung stehen. Dass diese Tiere für das Fleisch getötet werden steht ja am Ende außer Frage. Einen Hund würden wir ja auch nicht nach einigen Monaten oder Jahren töten, verspeisen und dann ein gutes Gewissen haben, weil er ein gutes Leben geführt hat. Bei Hühnern ist das natürlich aber auch wieder etwas anderes.

Somit gibt es zumindest aus tierethischer Sicht keinen wirklichen Grund, Bio-Fleisch dem normaler Fleisch vorzuziehen. Denn wenn es einem wirklich darum geht, dass es den Tieren besser geht und diese ein gutes Leben haben, dann sollte man sie und ihre Neugeborenen nicht schlachten und essen.

Tiere in der Massentierhaltung

Mutterkühen steht in der Massentierhaltung gerade mal 6 – 8 m2 zu, während Kälber nur 1,5 m2 bekommen.1 Der durchschnittliche pro Kopf Wohnraum der Deutschen lag 2019 bei 47 m2 und wir dürfen aus den Wohnungen raus, wann wir möchten.2 Für Menschen wäre es auch möglich mit wesentlich weniger Raum auszukommen, aber irgendwann schlagen enge Räume und Isolation fast jeder Art von Lebewesen auf die Psyche.

Der gesetzliche Mindeststandard zur Haltung von Schweinen liegt bei 0,75 m2 pro Tier mit keiner Art von Auslauffläche.3 Obwohl die durchgebende Haltung in Kastenständen in Deutschland bereits 2013 verboten wurde, konnte dieses Verbot aufgrund der Übergangszeit und mangelnder Kontrollen noch nicht flächendeckend umgesetzt werden. Da die Zuchtschweine inzwischen im Durchschnitt mehr Ferkel werfen, als die Sau an Zitzen zur Ernährung der Ferkel besitzt, sterben diese häufig schon früh an Unterernährung und Infektionen. Damit auf dem engen Raum die Ferkel nicht erdrückt werden, werden die Mütter am Käfig fixiert und haben so keinerlei Möglichkeit ihre Ferkel zu verteidigen, wenn diese beispielsweise betäubungslos kastriert werden.3

Obwohl Schafs- und Ziegenfleisch in der Fleischindustrie eher ein Nischenprodukt ist, ist gerade zu Ostern und anderen Festtagen Lammfleisch besonders beliebt. Die Tiere erreichen nach weniger Monaten ihr Schlachtgewicht und Hunderttausende werden jährlich geschlachtet. Obwohl nicht alle Tiere zum Schlachter müssen und stattdessen zur Pflege der Wiesenlandschaften genutzt wird, ist das auch nicht ganz unproblematisch. Denn Schafe zu pflegen ist zeitintensiv und erfordert Erfahrung. Ohne jegliche oder falsche Pflege leiden die Tiere selbst auf dem idyllischsten Stückchen Grün.4

Essen ohne Fleisch

Gekochtes Gemüse, Salat und verschiedenste Zubereitungen aus Kartoffeln werden oft lediglich als Beilagen angesehen und da diese auch öfter auch mal fleischlos sind, fälschlicherweise als die Hauptmahlzeiten der Vegetarier:innen und Veganer:innen verbucht. Allerdings gibt es viele Gerichte, die gar nicht mit dem Prinzip von klassischen Beilagen arbeiten. Dazu gehören viele asiatische und indische Gerichte wie Dals und Currys, die zwar durchaus auch mit Reis serviert werden können, aber auch fleischlos als vollwertige Mahlzeit gelten. Außerdem kann man auch ohne Fleisch Hauptspeisen und Beilagen zubereiten. Die Hauptgerichte können dann auf Hülsenfrüchten basierende Bratlinge oder Falafel sein, die man mit Gemüse und Salaten kombiniert. Und wenn es mal schnell gehen muss, kann man fast jedes Essen inzwischen vegan „nachbauen“ und muss sich dann um diese Thematik überhaupt keine Gedanken machen. So oder so ist es natürlich einfacher vegan zu kochen, als vegan Essen zu gehen.

Von der Ethik abgesehen

Wenn man die Ethik mal für einen Moment außen vor lässt, dann gibt es immer noch die Gesundheit und die Umwelt, die unter unserem Fleischkonsum leidet. Im Gegensatz zur Ethik, macht an dieser Stelle auch schon ein eingeschränkter Fleischkonsum einen großen Unterschied. Kaum eine:r befürwortet in dieser Welt noch eine Massentierhaltung, aber trotzdem funktioniert alles noch nach Angebot, Nachfrage und auch Subventionen. Nicht nur jede politische Wahl, sondern auch jeder Einkauf ist ein Stimmzettel.

  1. Stallgröße Kühe und Kälber
  2. Pro Kopf Wohnfläche Deutschland
  3. Stallgröße Schwein
  4. Schafe und Lämmer

1 Kommentar zu „Das abstrakte Stück Fleisch“

  1. Pingback: Wasser – Eine endliche Ressource – Factivistic

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