Die 7 häufigsten Vorurteile

Während Vegetarier:innen bereits mit 8 Millionen Menschen auf der Erde vertreten sind, sind es bei Veganer:innen gerade mal 1 Millionen. Obwohl der Trend steigend ist, gibt es viele Vorurteile, die viele Menschen vom vegan werden abhalten. Der einzige Weg dem entgegen zu wirken ist, gut recherchiert zu informieren und aufzuklären. Als Veganer:in setzt man sich meist mehr mit Nährstoffen, Ernährung und Inhaltsstoffen auseinander als Menschen, die sich omnivor ernähren. Diesen Vorteil gilt es zu nutzen, damit zumindest weniger Vorurteile zu dem Thema kursieren.

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„Veganer:innen können ja gar nichts essen.“

„Können“ ist schon mal nicht so ganz richtig, denn Veganer:innen treffen die Entscheidung vegan zu werden aus vielen verschiedenen Gründen und niemand zwingt sie dazu, keine tierischen Produkte mehr zu essen. Zwar fällt einiges vom Speiseplan weg, jedoch ist das nicht immer ein Nachteil. Zum Beispiel stecken in vielen Fertigessen tierische Produkte und noch gibt es nicht allzu viele Möglichkeiten veganes Fast Food zu bekommen. Das bedeutet, dass man sich in der Hinsicht wahrscheinlich gezwungenermaßen gesünder ernährt. Wobei man dazu sagen muss, dass der Markt der veganen Ersatzprodukte wächst und wächst. Bald wird man eigentlich fast alles, auch Fast Food, vegan finden. Das bedeutet allerdings auch, dass man eben auf gar nichts verzichten muss.

Außerdem, und das empfinde ich als großen Vorteil, lernt man ganz viele pflanzliche Produkte erst kennen, wenn man sich wirklich mit dem Thema auseinandersetzt. Herauszufinden, was man alles mit Kichererbsen, Linsen, Hefeflocken und Soja anstellen kann, ist eine große Bereicherung für das persönliche Rezeptrepertoire.

„Vegetarisch ist noch ok, aber vegan zu essen ist extrem.“

Niemand kann abstreiten, dass eine Ernährungsumstellung keine große Sache ist. Natürlich beeinflusst unsere Ernährung und auch dessen Umstellung unser Leben auf sehr vielen Ebenen. Vegane Ernährung ist restriktiv, also einschränkend, aber anders als eine herkömmliche Diät, lässt eine ausschließlich pflanzliche Ernährung nichts zu wünschen übrig. Zu keiner Zeit muss man hungern, um auf geringe Kalorien zu kommen. Die Gründe für den Veganismus sind überwältigend effektiv und nachvollziehbar: Weniger Tierleid, bessere Umweltbilanz und bewussterer Umgang mit dem eigenen Körper und der Ernährung. Jemanden, der so viel Rücksicht auf Themen nimmt und davon häufig keinen direkten Vorteil hat, als extrem zu bezeichnen ist fragwürdig. Gerade dann, wenn die Person, die solch eine Aussage trifft, die Massentierhaltung durch den regelmäßigen Konsum von Tierleichen unterstützt.

„Ich könnte niemals vegan werden, weil ich so gerne Käse esse.“

Veganismus ist kein Wettbewerb und es geht nicht darum der:die perfekte Veganer:in zu sein. Menschen, die auf beispielsweise Käse nicht verzichten können beziehungsweise wollen, können trotzdem auf Eier, Milch, Fleisch, Fisch und Joghurt verzichten. Entweder eines oder alle davon machen schon einen großen Unterschied. Beim Veganismus geht es nicht wie bei zum Beispiel mancher Religion darum zu 100 % an Bord zu sein. Im Mittelpunkt steht, möglichst wenig Tierleid zu fördern und weniger die Umwelt zu belasten. Da hilft es auch schon, „nur“ vegetarisch zu essen, den Fleischkonsum auf einmal die Woche zu reduzieren, 6 statt 10 Eier zu kaufen, Hafer- statt Kuhmilch zu trinken oder mal einen Sojajoghurt zu kaufen. Aus eigener Erfahrung kann ich sagen, dass die Menschen, die hier und da mal etwas umstellen oder reduzieren, schneller zu der Erkenntnis kommen, dass sie vieles von den tierischen Produkten gar nicht brauchen. Einfach mal was neues probieren und sich eventuell verzaubern lassen anstatt es sich entgehen zu lassen.

„Veganer:innen ernähren sich nur von Gemüse.“

Zu eine ausgewogenen veganen Ernährung gehört weit mehr als nur Gemüse. Auf dem Speiseplan sollten Nüsse, Beeren, Hülsenfrüchte, Chia- und Leinsamen, verschiedene Arten von Gemüse, Getreide und Obst stehen. Auch ohne irgendwelche Ersatzprodukte ist vegane Ernährung doch schon sehr vielfältig und vor allem gesünder. Alleine unter den Hülsenfrüchten gibt es unfassbar viele Sorten, die nicht nur auf sehr unterschiedliche Weise zubereitet werden können, sondern auch sehr satt machen. Zu Hülsenfrüchten gehören beispielsweise sehr viele verschiedene Bohnensorten, Linsen, Erbsen, Kichererbsen, Sojabohnen und Zuckerschoten. Auch unter den Nüssen gibt es eine große Auswahl: Walnüsse, Cashewkerne, Erdnüsse, Pekannüsse, Haselnüsse und Paranüsse. Das Gemüse brauche ich gar nicht erst aufzuzählen. Manchmal muss man beim Kochen einfach etwas kreativ werden, aber eine reine Ernährung von Gemüse ist nicht mit veganer Ernährung zu vergleichen.

„Vegane Ernährung ist nicht für Sportler geeignet.“

Eine Überlegenheit gegenüber Menschen, die sich nicht vegan ernähren, ist zwar nicht wissenschaftlich bewiesen, jedoch kann der Veganismus im Sport gewisse Vorteile bieten. So kann vegane Ernährung beispielsweise die Anpassungs- und Regenerationsfähigkeit verbessern. Außerdem passt die pflanzliche Ernährung seht gut in den bewussten Lebensstil eines Sportlers: Nichtraucher, Verzicht auf Alkohol und eben auch eine bewusste und durchdachte Ernährung. Bei vermehrter sportlicher Betätigung ist natürlich darauf zu achten, dass man ausreichend viele Nährstoffe zu sich nimmt, jedoch gehört das bei vielen Sportlern auch ohne eine pflanzliche Ernährung zur bewussten Lebensweise dazu. Eine Kombination verschiedener pflanzlicher Proteinquellen kann den Proteinbedarf ausreichend decken und ansonsten bleibt immer noch die Möglichkeit auf pflanzliche Eiweißpräparate zurückgreifen.1 Wobei hier zu erwähnen ist, dass es dann schon eher um (Hoch)Leistungssport handelt.

„Veganer:innen ernähren sich unnatürlich und von sehr viel Chemie“

Da wäre es zunächst sinnvoll auf die Begrifflichkeit zu schauen: Wenn etwas natürlich ist, dann “bezieht es sich auf die Natur, ist naturgemäß oder in der Natur vorkommend“.2 Demzufolge ist ein Schnitzel definitiv weniger natürlich als eine Tomate. Oder hast du schon mal ein Schnitzel in freier Wildbahn gesehen? Außerdem finden wir heutzutage kaum noch etwas um uns herum das wirklich natürlich ist. Weder unsere Häuser und Städte, noch unsere Lebensmittel. Alles ist irgendwie von Menschenhand gepflanzt, gebaut oder entwickelt.

Bei der Chemie ist es ähnlich. Die Welt und auch der Mensch besteht aus Chemie und chemischen Prozessen. Mit „Chemie“ in Lebensmitteln ist meistens die Rede von Konservierungsstoffen, Farbstoffen und Geschmacksverstärker. Diese findet man allerdings hauptsächlich in Fertiggerichten, welche nicht zwingend ein Teil der veganen oder auch omnivoren Ernährung sind. Das hat also per se nichts mit veganer Ernährung zu tun, sondern einfach, ob Fertiggerichte ein Teil des Speiseplans sind oder nicht. Natürlich gibt es einige vegane Ersatzprodukte, die auch zur Spate der Fertiggerichte gehört, jedoch ist fraglich, ob diese wirklich so viel ungesünder und „chemischer“ sind, als verarbeitetes Fleisch.

„Alle Veganer:innen haben einen Nährstoffmangel und müssen diesen durch Tabletten ausgleichen.“

Nährstoffmangel ist definitiv kein veganes Problem. Jeder 10. in Deutschland hat zu wenig Vitamin B12 im Blut.3 Bei gerade mal 1 Millionen Veganer:innen auf der ganzen Welt, kann man das also nicht allein auf diese schieben. Nicht allzu viele Menschen setzten sich aktiv mit ihrer Ernährung und den benötigten Nährstoffen auseinander. Dazu gehört auch die Feststellung eines Mangels durch ein Blutbild und den daraus folgenden Ausgleich. Dadurch, dass Veganer:innen mit ihrer restriktiven Ernährung auf einige Lebensmittel verzichten und so insgesamt weniger Quellen für gewisse Nährstoffe haben, ist es sehr sinnvoll sich mehr mit der eigenen Ernährung zu beschäftigen und das machen auch die meisten. Bei einer ausgewogenen pflanzlichen Ernährung kann man nämlich auf alle benötigten Nährstoffe kommen ohne viele Kapseln oder Tabletten schlucken zu müssen. Wenn die Anreicherung von Lebensmitteln mit dem bei Veganer:innen kritischen Vitamin B12 wie in Amerika weiter voranschreitet, dann ist in Zukunft keine großartige Supplementierung mehr nötig. Auch omnivore Menschen würden davon profitieren, wenn einige Lebensmittel mit gewissen Nährstoffen angereichert wären, es gibt nämlich durchaus einige kritische Nährstoffe in der Gesamtbevölkerung.

Quellen

  1. Veganismus und Sport
  2. Natürlichkeit Definition
  3. B12 Mangel in Deutschland

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