Enttabuisierung II: Verhütung & Abtreibung

Triggerwarnung: Dieser Beitrag befasst sich mit sensiblen Inhalten. Handelt es sich dabei für dich um ein emotionales Thema, solltest du diesen Beitrag nicht alleine lesen, um mit einer Vertrauensperson über mögliche Trigger sprechen zu können.

Für die meist verwendeten Verhütungsmethoden, neben dem Kondom, sind Frauen verantwortlich und auch wenn es um eine versehentliche Schwangerschaft geht, hat das erstmal einen großen Einfluss auf die schwangere Person. Abtreibung ist dabei ein heiß diskutiertes Thema, bei dem viele v.a. Frauen für Entscheidungsfreiheit „Your Body your choice“ kämpfen, während andere der Überzeugung sind, dass es nicht erlaubt sein sollte ein entstehendes oder bereits vorhandenes Leben zu nehmen. Was sind die Forderungen und würde sich das Problem auch durch eine Veränderung in unserer Denkweise zur Verhütung lösen lassen können?

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Verhütung Und dessen risiken

Ob Spirale, Pille, Pflaster, Spritze oder Diaphragma, all diese Verhütungsmethoden sind für Frauen. Einige dieser gängigen Verhütungsmethoden können jedoch einen großen Einfluss auf den weiblichen Hormonhaushalt haben und sogar bestimmte Krankheiten fördern. Gerade die Pille steht oft im Fokus von Kritikern, weil sie neben weniger gefährlichen, aber doch unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Stimmungsschwankungen und depressiver Verstimmung auch das Risiko für die Bildung von Blutgerinnseln und somit einen Herzinfarkt, Schlaganfall oder eine Lungenembolie begünstigen kann. Außerdem ist ihre Wirksamkeit von bestimmten Faktoren abhängig, wie beispielsweise der regelmäßigen Einnahme. 1

Bei hormoneller Verhütung ist eigentlich immer mit Nebenwirkungen zu rechnen. Außerdem übernehmen die Krankenkassen die Kosten nur bis zum 20. Lebensjahr, danach sind es ungefähr 6 bis 12 € im Monat. Im Anschluss müssen Pille, Spirale, etc. aus der eigenen Tasche bezahlt werden. Vor sexuell übertragbaren Krankheiten schützen diese im Vergleich zu Kondomen auch nicht.2 Bei einem Diaphragma muss man auf die Spontanität beim Sex verzichten und auch hier ist es sinnvoll ein Kondom zur Sicherheit zusätzlich zu verwenden. Auch eine Spirale kann der Trägerin Schwierigkeiten bereiten: Beispielsweise in Form von verstärkten Unterleibschmerzen, Schmerzen nach dem Einsetzen und in seltenen Fällen kann es zu Verletzungen der Gebärmutterwand kommen.

Neben Kondomen und der endgültigen Lösung der Vasektomie, steht die „Pille für den Mann“ noch in den Kinderschuhen. Während der Studien sind häufiger Nebenwirkungen aufgetreten, trotz positiver Wirksamkeit. Die Nebenwirkungen ähneln denen der Pille: Stimmungsschwankungen, depressive Verstimmung und veränderte Libido.3 Zwar wünscht man das niemanden, doch wird die Pille trotz solcher Nebenwirkungen in Massen verschrieben und verkauft.

Das sind alles Dinge, die in einer Partnerschaft oder einer sexuellen Beziehung besprochen werden sollen und im Bezug auf Verhütung in eine Diskussion miteinbezogen werden sollten.

Abtreibung

Eine versehentliche Schwangerschaft kann auch trotz Verhütung passieren. Was dann? Es ist nicht immer einfach eine Beratungsstelle zu finden, die umfassend über alle Möglichkeiten informiert. Gerade, weil das Thema Abtreibung in Europa noch lange nicht entkriminalisiert ist. Die Bundeszentrale für politische Bildung stellt die beiden Fronten der Abtreibungsdebatte wie folgt dar: „Die eine stellt den Embryo beziehungsweise den Fötus, die andere die schwangere Person in den Mittelpunkt. Diejenige Position, die den Embryo/Fötus ins Zentrum ihrer Betrachtung und Argumentation stellt, ist in der Regel gegen Abtreibung, fordert strenge Restriktionen bis hin zum vollständigen Verbot. Vertreter:innen dieser Position finden sich eher im konservativen oder rechten politischen Lager und sind häufig religiös (christlich) geprägt. Vertreter:innen der Position, die die schwangere Person in den Mittelpunkt rückt, sprechen sich in der Regel für ein Recht auf Abtreibung aus und finden sich eher im liberalen und linken politischen Lager und sind häufig feministisch motiviert.“ 4 Das Problem ist, dass hinter diesen Debatten echte Personen mit echten Schicksalen stehen und strenge Restriktionen und Beratungsverbote dazu führen, dass Menschen sich andere Lösungen suchen. Diese sind meist dubios, teuer und können lebensgefährlich sein. Leider löst das die Debatte nicht. Die autonome Entscheidungsfreiheit von Schwangeren kann nicht einfach übergangen werden. Zu beachten ist dabei nämlich auch, dass es sich nicht immer nur versehentliche Schwangerschaften in einer Beziehung handelt, sondern dass es auch die Folge eines sexuellen Übergriffs sein kann. Hierfür wird in vielen Ländern bei einem Verbot kein Unterschied gemacht. Ebenfalls nicht zu vergessen ist, dass eine Abtreibung psychische Folgen haben kann und gerade deshalb ist es ja so wichtig, darüber umfassend zu informieren und es eben weder in den Himmel zu loben, noch zu verteufeln. Für viele, jedoch nicht alle, ist klar „Die Selbstbestimmung der Schwangeren schlägt das Schutzrecht des Zellknäuels. 5

Für das Recht auf Abtreibung muss weiter gekämpft werden, gerade in den Ländern, in denen das Thema komplett tabuisiert wird. Oft steht es in direkter Verbindung mit dem Thema Verhütung, welches ebenfalls mehr besprochen werden sollte. Bei diesen Lebensentscheidungen ist es wichtig, dass keine wichtigen Informationen unterschlagen oder sogar die Verbreitung verboten wird, gerade wenn es um Opfer von Gewalttaten geht. In sexuellen Beziehungen sollten ebenfalls alle Möglichkeiten besprochen werden und eine Lösung gefunden werden, die am besten zu der Partnerschaft passt und mit der sich alle wohl fühlen.

Eine Zusammenfassung der rechtlichen und medizinischen Lage zur Abtreibung findet ihr hier.

Quellen

  1. Schädlichkeit der Pille
  2. Hormonelle Verhütungsmittel
  3. Verhütung durch den Mann
  4. Abtreibungsdebatte in Deutschland und Europa
  5. Philosophischer Kommentar zu Abtreibungsdebatte

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