Enttabuisierung I: Weiblicher Zyklus

In unserer Gesellschaft gibt es einige Themen, die als Tabuthemen gelten. Zwar sind Tabuthemen offiziell nirgends festgelegt, trotzdem ist es wie unausgesprochene Norm, manche Themen einfach nicht zu besprechen. Im Feminismus gibt es ebenfalls einige solcher Themen und nicht nur solche, die Männern mit Frauen nicht besprechen, sondern auch welche, die Frauen immer noch zu wenig unter sich zum Thema machen. Das muss sich ändern: Von dem Sprechen über Probleme und Erfahrungen können alle noch sehr viel lernen. Eines dieser Themen ist der weibliche Zyklus und die Periode.

Im Folgenden Text sind mit Frauen Personen gemeint, die eine Gebärmutter haben. Männer meinen Menschen mit dem biologisch männlichen Geschlechts.

Inhalt

Was ist der weibliche Zyklus?

Für jede Person des biologisch weiblichen Geschlechts gehört es zum Leben dazu und kann sich trotzdem sehr unterschiedlichem Ausmaß äußern. Die Periode und der weibliche Zyklus. Im folgenden der weibliche Zyklus zusammengefasst erklärt.

Unter dem weiblichen Zyklus versteht man die wiederkehrenden Veränderungen der Gebärmutterschleimhaut und die gleichzeitig verlaufende Heranreifung einer Eizelle im Eierstock sowie weitere zyklusabhängige Veränderungen des weiblichen Körpers, die durch einen hormonellen Regelkreis gesteuert werden.

Ein Zyklus hat in der Regel eine Dauer von 25 – 35 Tagen und ist in verschiedene Phasen unterteilt: Follikelphase, Ovulationsphase und Lutealphase. Bei den Angaben zu den Zyklustagen im Folgenden handelt es sich um Mittelwerte, die nicht allgemeingültig sind. Vom 1. bis zum 4. Zyklustag wird die funktionelle Schicht der Gebärmutterschleimhaut mit ca. 50 ml Blut über den Gebärmutterkanal entfernt. Da dies durch Kontraktionen der Gebärmuttermuskulatur funktioniert, verspüren viele Frauen in dieser Zeit schwache bis sehr starke Unterleibsschmerzen. Im Zeitraum vom 5. bis zum 12. Zyklustag reift ein Follikel und die in ihm enthaltene Eizelle heran. Gleichzeitig kommt es unter Einfluss des Hormons Östrogen zum Aufbau der Gebärmutterschleimhaut.

Zwischen dem 12. und 14. Tag sinkt der Östrogenspiegel, der Follikel platzt auf und gibt die Eizelle frei. Diese findet ihren Weg durch den Eileiter in die Gebärmutter und kann dort befruchtet werden. Findet innerhalb von 24 Stunden keine Befruchtung statt, dann stirbt die Eizelle ab.

In der letzten Phase findet ein „Umbau“ der Gebärmutter statt, um eine eventuell befruchtete Einzelle aufzunehmen. Es bilden sich Gefäße und stützenden Gewebestrukturen. Das dafür produzierte Gelbkörperhormon Progesteron führt zu einer Erhöhung der Körpertemperatur. Am Ende der Sekretionsphase kommt es zu einer Rückbildung des Gelbkörpers und dem Abfall von Progesteron, wenn sich keine befruchtete Eizelle in der Gebärmutterschleimhaut eingenistet hat. Der Zyklus beginnt anschließend von vorn.1

Gefühlschaos

Der Zyklus funktioniert nur mithilfe verschiedenster Hormone, die eine Wirkung auf die weibliche Gefühlslage haben können. Viele Frauen berichten von erhöhter Konzentration und Kreativität in der Zeit vor dem Eisprung. Und manche Frauen ernähren sich tendenziell gesünder, treiben besonders viel Sport und fühlen sich dadurch häufig auch attraktiver.

Um den Eisprung herum verspüren viele Frauen ein gesteigertes Lustempfinden. Womöglich, weil dies nun mal auch dem Zeitpunkt der Fortpflanzung entspricht. Im Anschluss sinkt der Östrogenspiegel wieder und emotionale Verstimmungen machen sich bei vielen Frauen breit. Und nicht nur das: Auch Kopfweh und Müdigkeit sind keine Seltenheit. Man neigt dann generell natürlich auch mehr zu Gemütlichkeit als großer Anstrengung. Mit dem Beginn der Menstruation kann sich diese Verstimmung noch intensivierten. Das liegt natürlich auch daran, dass einige Frauen starke körperliche Schmerzen verspüren.2

Natürlich sind diese Empfindungen nicht auf jede Menstruierende 1 zu 1 zu übertragbar. In den verschiedenen Phasen des Zykluses haben viele Frauen es mit einer Bandbreite von positiven und negativen Gefühlen zu tun und dabei ist es mal wichtigsten, auf den eigenen Körper und Bedürfnisse zu hören. Im besten Fall sollte man diese mit eventuellen Partner:innen und Freund:innen kommunizieren können, um allen die Situation zu erleichtern.

Aufklärung und Kommunikation sind zielführend

Viele Frauen werden sich notgedrungen bereits mit diesem Thema auseinander gesetzt haben, gerade deswegen, weil es zum Erwachsenwerden dazu gehört. Männer kommen mit dem weiblichen Zyklus üblicherweise erst in einer festen Partnerschaft und/oder einer geplanten Schwangerschaft in Berührung. Das ist eigentlich verständlich, weil Männer bei sich selbst keinen Zyklus dieser Art feststellen können. Allerdings könnten wir alle von einer offenen Kommunikation über Körper und Kultur profitieren.

Derzeit wird der weibliche Zyklus viel zu wenig thematisiert. Sich vorzustellen, dass Menschen die Periode im Allgemeinen als etwas Ekliges empfinden ist bei so etwas Natürlichem eigentlich absurd. Klar, generell möchten wenige Menschen mit Urin oder Ausfluss einer anderen Person in Berührung kommen, trotzdem ist der Drang auf die Toilette zu müssten doch auch nicht eklig. Genauso wenig sollte es eklig sein, auf die Toilette zu gehen, um Periodenprodukte zu wechseln oder auszuspülen.

Unter Frauen sollte der Zyklus jedoch auch mehr in den Vordergrund rücken. Zu wissen, wie man mit Schmerzen oder Stimmungsschwankungen umgehen kann, ist hilfreich. Jede hat da irgendwie seine eigenen Methoden und Erfahrungen und kann mit einem aufschlussreichen Austausch eventuell einer anderen Frau helfen. Außerdem ist der weibliche Zyklus ja nicht nur eine Last und etwas Schlechtes. Man darf auch einfach mal feiern, dass viele Frauen dadurch die Möglichkeit haben, ein Kind zu gebären oder ihren kompletten Alltag meistern trotz emotionaler und körperlicher Belastung.

Durch einen allgemein offenerem Umgang mit den Themen Periode, Hygieneartikel, Zyklus und Hormone, wird auch die Wirtschaft und Wissenschaft positiv beeinflusst. Mehr Aufklärung sorgt dafür, dass sich mehr Menschen mit dem Thema auseinandersetzen und dafür sorgen, dass die manche Probleme, die Frauen bei ihrem Zyklus haben beseitigt werden. Das können nachhaltige und praktische Periodenprodukte, aber auch Verhütungsmethoden sein. Davon würde wiederum eigentlich jede:r profitieren.

Innerhalb einer festen Beziehung mit einer oder mehreren Menstruierenden kann Aufklärung und Kommunikation ebenfalls nur Vorteile mit sich bringen und Missverständnisse verhindern. Dabei müssen auf der einen Seite eventuelle Probleme, Schmerzen oder Gefühle kommuniziert und gehört werden und auch anderer Seite darf der Zyklus und die Menstruation nicht als Ausrede für etwas verwendet werden. Eine gesunde Beziehung funktioniert in den meisten Fällen nur mit Kommunikation, aber eben auch Ehrlichkeit.

Natürlich ist es nicht immer einfach Probleme oder auch Bedürfnisse zu kommunizieren, gerade wenn man in der Öffentlichkeit ist und nicht möchte, dass jede:r weiß, was Sache ist. Ein „Codewort“ zu benutzen ist an sich nicht verwerflich, jedoch spiegelt das auch wider, wie sehr das Thema Menstruation und Periode tabuisiert wird. Jede:r sollte sich im Klaren sein, dass der weibliche Zyklus nicht nur für Menschen mit dem biologisch weiblichen Geschlecht normal sein sollte, sondern auch für alle Mitmenschen, sei es Partner:innen, Freund:innen oder Bekannte.

Periodenprodukte

Laut einer Studie geben Frauen im Schnitt über 20 000 € in ihrem Leben für Periodenprodukte aus. Dazu gehören neben Binden, Tampons und Menstruationstassen auch neue Unterwäsche und Schmerzmittel. Trotz des wichtigen Bedarfs an Hygieneprodukten während der Periode, zahlt man beim Kauf erst seit 2020 7 statt 19 % Mehrwertsteuer.3 Versuchsmodelle zu kostenlosen Periodenprodukten auf beispielsweise öffentlichen Toiletten sind bereits im Gange. Gerade Geringverdienerinnen, Alleinerziehende und Obdachlose sollten solche Einrichtungen und Möglichkeiten zur Verfügung gestellt werden. Alternativ, das ist aber auch Geschmacksache, gibt es inzwischen schon eine nachhaltigere und kostengünstigere Produkte wie die Menstruationstasse. Wenn sich diese mit dem eigenen Komfort und Anatomie verträgt, dann spart man nicht nur sehr viel Geld, sondern tut auch etwas für die Umwelt. Immerhin entstehen in Deutschland, Österreich und der Schweiz durch Monatshygiene jährlich ca. 75.000 – 125.000 Tonnen Müll.4

Müll, Umwelt, Geld, Schmerz, Fortpflanzung, Gefühle, Beziehungen – all diese Themen umfasst der weibliche Zyklus und gleichzeitig auch uns alle. Genau aus diesem Grund sollte mehr darüber gesprochen, aufgeklärt, verstanden und auch gehandelt werden.

Quellen

  1. Weiblicher Zyklus
  2. Stimmungen und Hormone
  3. Kosten Periode
  4. Periodenmüll

1 Kommentar zu „Enttabuisierung I: Weiblicher Zyklus“

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