Fast Fashion – Der blinde Massenkonsum

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Shoppen gehen ist schon lange kein Luxus mehr, sondern eine Gewohnheit, ein Hobby. Eine Shoppingtour gilt als besonders erfolgreich, wenn mehrere Tüten voller neuer Kleidung mit nach Hause bringt und dafür möglichst nicht sein ganzes Taschengeld oder Gehalt verpulvert hat. Und wenn der Kleiderschrank dann wieder ein Mal zu voll wird, dann wird groß ausgemistet. Es ist ein Teufelskreis, der uns viele Ressourcen kostet und ganz bestimmt nicht nachhaltig ist. Warum konsumieren wir solche Massen an Kleidung und warum schadet das der Umwelt und den Menschen die in der Textilbranche arbeiten so sehr?

Vom Gebrauchs- zum Verbrauchsprodukt

Fast Fashion bedeutet, dass „Klamotten billig produziert und verkauft werden, sodass sich jeder möglichst oft neue Kleidung kaufen kann.“1 Im Zuge der industriellen Revolution des 18. Jahrhunderts wurde die Textilindustrie zum Produzenten günstiger Massenware. Bis zu den 1980er-Jahren war vor allem standardisierte Mode im Trend, die sich der Jahreszeit entsprechend über das Jahr hinweg verändert hat. Dabei gab es generell allerdings nicht mehr als vier Kollektionen innerhalb eines Jahres.

Ab den 1980er-Jahren gibt es einen Anstieg des Wettbewerbs in der Modebranche aufgrund der auftretenden Globalisierung. Dabei wird auch schnell entdeckt, dass sich besonders günstig in Niedriglohnländer produzieren lässt. Arbeits- und Produktionszeiten werden immer weiter optimiert und um Kunden zu binden schießen überall Modeketten wie beispielsweise Zara und H&M aus dem Boden. Über das Internet wird man heutzutage aus jeder Ecke beeinflusst: Werbung, Schaufenster, Newsletter und Influencer verleiten die Menschen dazu dem Massenkonsum zu verfallen. 5,2 Milliarden Kleidungsstücke besitzen alle Deutschen zusammen, jedes fünfte davon wird sehr selten oder nie getragen.2

Ressourcenschlucker

Kleidung kauft man nur noch selten aus praktischen Gründen. Wie oft kommt es schließlich vor, dass man kein T-Shirt, keine Hose und keine Socken mehr im Kleiderschrank hat. Klar, vielleicht ist mal etwas zu groß, zu klein, kaputt oder gefällt einem nicht mehr, aber selten ist die Kleidung untragbar. Eine Reparatur oder etwas umzunähen kommt nicht in Frage, da dies meistens teurer ist, als einfach etwas neu zu kaufen. Und das ist fatal, denn jeder einzelne Prouktionsschritt der Kleidung verbrauchte wertvolle Ressourcen.3 Neben Wasser, Strom und dem eigentlichen Material hängen an der Fast Fashion Industrie aus Millionen von Arbeiter:innen weltweit. Da diese meistens nicht in dem Land arbeiten, wo später die Produkte verkauft werden, kommt die Umweltbelastung durch den Transport der Produkte noch oben drauf.4 In vielen dieser Länder herrschen schlechte Arbeitsbedingungen und auch die Löhne sind nicht angemessen. Die Sicherheit und Gesundheit vieler Arbeiter:innen ist zu keiner Zeit garantiert und Unfälle bringen immer wieder viele Opfer mit sich. Aus diesen Fehlern wird jedoch nicht gelernt.5

Capsule Wardrobe

Wie viele Teile hast du in deinem Kleiderschrank? Hast du mal gezählt? Und nicht nur Kleidung, sondern auch Schuhe, Taschen und andere Accessoires. Davon einmal abgesehen, stellt sich die Frage, wie viele dieser Kleidungsstücke mal wirklich benötigt. Bei dem Capsule Wardrobe-Experiment geht es darum mit nur 37 Teilen pro Quartal zu leben. Dieses Konzept hat sich die Londoner Boutique-Besitzerin Susie Faux in den 70er-Jahren erdacht. Eine solche Maßnahme könnte der Fast Fashion ordentlich entgegen wirken. Und nicht nur das: Man spart sich Zeit bei der Klamottenauswahl, hält den Kleiderschrank fast automatisch sortierter, muss weniger waschen und spart sich Geld, das man ansonsten für weitere Shoppingtouren ausgibt.6

Um mit dem Experiment zu starten, heißt es zunächst ausmisten. Am besten ist es, die Kleidungsstücke, die man nicht mehr benötigt zu verkaufen oder zu verschenken. Bei der Auswahl der zu behaltenden Stücke sollte man taktisch vorgehen. Einen Grundstock aus Basics, ein paar Lieblingsteile zur Kombination und nicht zu viele Teile an Schmuck und Accessoires zu verschwenden. Falls dir noch etwas um eine gute 37-Teile-Kombi zu kreieren, dann setze auf hochwertige und faire Kleidung. Doch wie erkennt man faire und hochwertige Kleidung?

Siegel-Dschungel

Der Wunsch nach nachhaltiger und fairer Kleidung sollte beim Einkaufen wichtiger werden. Um diese zu erkennen, können Siegel sehr hilfreich sein. Allerdings ist es bei der Fülle an Siegel manchmal nicht immer einfach zu erkennen, für was diese eigentlich stehen. Im Folgenden befinden sich einige, die wichtige Sozialstandards berücksichtigen.7

IVN Best (Internationalen Verband der Naturtextilwirtschaft)

  • ILO-Kernarbeitsnormen (Vereinigungsfreiheit und Recht auf Kollektivverhandlungen, Beseitigung der Zwangsarbeit, Abschaffung der Kinderarbeit, Verbot der Diskriminierung in Beschäftigung und Beruf)
  • Mindestlöhne werden gezahlt
  • Naturfasern sind zu 100 % ökologisch zertifiziert

GOTS (Global Organic Textile Standard)

  • ILO-Kernarbeitsnormen
  • Naturfasern sind zu mindestens 70 % Naturfasern aus kontrolliert biologischer Landwirtschaft oder Tierhaltung.
  • Labelzusatz „organic“ gilt dies für 95 % der eingesetzten Fasern.

Fairtrade Cotton

  • Rohbaumwolle, die fair angebaut und gehandelt wird
  • Fairtrade-Mindestpreis für Kosten, die die Bauern und Bäuerinnen bei einer nachhaltigen Produktion gedeckt werden müssen
  • Produzenten erhalten eine Fairtrade-Prämie für Gemeinschaftsprojekte.
  • Fairtrade-Standards sind deutlich höher als die Einhaltung der ILO-Kernarbeitsnormen
  • Fairtrade fördert den Biobaumwollanbau

Fair Wear Foundation

  • Verbesserung der sozialen Bedingungen in allen Konfektionsbetrieben der textilen Kette in den Produktionsländern
  • Mehr als 80 Unternehmen mit 120 Marken sind mittlerweile dabei
  • Logo ist an Kleidungsstücken zu finden, die nach einem Jahr Mitgliedschaft in die beste Kategorie eingestuft 

Cotten made in Africa

  • Kleinbauern und -bäuerinnen werden dabei unterstützt ihre Lebensbedingungen und die ihrer Kinder zu verbessern
  • Ausschluss von Kinderarbeit, gefährlichen Pestiziden oder genveränderter Baumwolle angebaut
  • Gerechte und rechtzeitige Bezahlung
  • Schulungen um ihre Erträge steigern und ihr Einkommen erhöhen

Der grüne Knopf

  • Staatliches Textilsiegel, das 26 soziale und ökologische Produktkriterien und 20 Unternehmenskriterien umfasst
  • Unternehmensprüfung und Produktionsschritte Nähen und Zuschneiden sowie Färben und Bleichen berücksichtigt.
  • Ob die Anforderungen und Kontrollen ausreichen, um Menschenrechtsverletzungen und ökologische Belastungen auszuschließen ist fraglich
  • Als „Übersiegel“ auch mit anderen Siegeln kombinierbar
  • Maßnahmen, die bei Nicht-Einhaltung der Anforderungen ergriffen werden fehlen

Es ist wichtig beim Kauf auf diese Siegel zu achten. Manche sind zwar strenger reguliert als andere, jedoch ist es besser als wenn man gar nicht darauf schaut und danach kauft.

Altkleiderflut – Diese Spenden helfen nicht

Nach dem Ausmisten ist vor dem Ausmisten. Durch den Massenkonsum platzen viele Kleiderschränke aus alles Nähten. Dementsprechend muss regelmäßig aussortiert werden und der Weg zum Altkleidercontainer ist meist nicht weit. In Deutschland landen Millionen von Tonnen Altkleider jährlich in Altkleidercontainern. Da es hier nicht genug Bedürftige gibt, wird der Rest der Altkleider an kommerzielle Altkleidersammler verkauft.

Nur ungefähr 3 % der Kleider sind in einem brauchbaren Zustand, um in westlichen Secondhand-Läden verkauft werden zu können, 40 % werden in verschiedenen Qualitäten exportiert und 10 % landen im Müll. Nun haben andere Länder auch Bedürftige, aber da die Kleidung nicht einfach gespendet, sondern an die Länder verkauft wird, geht diese nicht zuerst an die Länder mit den meisten Bedürftigen, sondern an die, die zahlungsfähig sind. In Indien, ein Land mit vielen Menschen, die in Armut leben, gibt es sogar ein Verbot für den Import von Kleidung. Es hat also insgesamt weniger mit den Bedürfnissen der Armen zu tun als man denkt.

Dazu kommt, dass günstige Spendenware dem einheimischen Markt eine unbestreitbare Konkurrenz darstellt. Zwar werden Rohstoffe in dem Land noch abgebaut, dann aber meistens exportiert, weil die Produktion von Stoffen zu teuer ist. Statt wirklich zu helfen, zerstört man also den heimischen Markt und verhindert, dass Rohstoffe in dem Ursprungsland direkt weiterverarbeitet werden.8

Was man selbst also tun kann, ist anstatt beutelweise abgetragene Klamotten zu Altkleidercontainer zu bringen, die eigenen Klamotten lieber zu verkaufen oder zu verschenken. Vielleicht freut sich ein:e Bekannte:r darüber oder man verdient sich noch ein paar Euro dazu. Wenn etwas wirklich kaputt ist, kann man es entweder reparieren (lassen) oder umfunktionieren. Beispielsweise kann man kaputte T-Shirts zerschneiden und als Lappen verwenden. Alternativ kann man die Stoffreste auch zum verpacken von Geschenken benutzen oder zum Flicken anderer Teile.

Quellen

  1. Fast Fashion Definition
  2. Fast Fashion Ursprung
  3. Ressourcenverbrauch
  4. Arbeitsausbeutung
  5. Sicherheit der Arbeiter
  6. Capsule Wardrobe
  7. Faire Kleidung Siegel
  8. Altkleider-Wahnsinn

2 Kommentare zu „Fast Fashion – Der blinde Massenkonsum“

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