Geflügel – 600 000 000 Schlachtungen

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Ente, Pute, Huhn, Gans und Truthahn – Tier oder Gericht? Für die meisten Leute ist das eine Auswahl, die man gerne mal in einer Speisekarte liest. Am liebsten natürlich dann ohne Federn und Schnabel. 

Den größten Anteil an sogenannten Nutztieren in Deutschland sind Hühner. Im Jahre 2019 wurden allein in Deutschland 620 Millionen Masthühner geschlachtet. Das ist das mehr als das siebenfache der deutschen Bevölkerung. Dazu kommen über 80 Millionen andere Vögel. Insgesamt wurden diese zu 1,6 Millionen Tonnen Fleisch verarbeitet.1 Das ist mehr als in den vorherigen Jahren, obwohl die Anzahl der Tiere weniger geworden ist. Wie kann das sein?

Qualzucht – Weniger Tiere und mehr Fleisch 

In Zuge der Hühnermast müssen Hühner innerhalb kürzester Zeit möglichst viel Fleisch ansetzten. Die Tiere wurden so gezüchtet, dass sie dauerhaft hungrig sind. Es kommt dazu, dass die Hühner jeden Tag 60 Gramm zunehmen und innerhalb von den 40 Tagen, die sie leben, auf 2 Kilogramm kommen. Bei einem Menschen entspräche das ungefähr 5 kg am Tag. Das Skelett des Kükens muss also das Gewicht eines ausgewachsenen Huhns tragen.

Unter diesem Umständen leiden die Hühner an Schmerzen von verformten Skeletten, die durch beispielsweise Antibiotika versucht unterdrückt zu werden. Die Tiere fallen jedoch häufig durch Gleichgewichtsprobleme auf den Rücken und verdursten dort elendig, wenn sie vorher nicht schon an Organversagen oder Herzkreislaufproblemen gestorben sind.2

Auf der Internetseite der Deutschen Geflügelwirtschaft wird mit einer zentralen Anforderung geworben: “Die Tiere dürfen nur so getötet werden, dass jede vermeidbare Art von Schmerzen, Leid, Stress oder Aufregung verhindert wird.3 Selbst wenn diese Anforderung eingehalten werden würde, dann könnte man diese Folgen der Qualzucht nicht vermeiden. Das Leid des Tieres, dass durch Massentierhaltung entsteht, ist unvermeidbar. 97 % der deutschen Hühner leben in konventioneller Bodenhaltung in großen geschlossenen Hallen. Dabei ist die Fläche für den Auslauf kaum sinnvoll umsetzt und etwa 5 – 7 % der Masthühner sterben, bevor sind das Schlachtalter von ca. 40 Tagen erreichen. Das sind in einem Jahr über 40 Millionen Hühner, die es nicht einmal bis zur „qualfreien” Schalchtung schaffen.4

Ei, Ei und noch mehr Ei

Eine Legehenne wurde für die konventionelle Haltung so gezüchtet, dass die im Durchschnitt 300 Eier im Jahr legt. Das ist das 10-fache der Eier einer Henne, aus der die Legehenne gezüchtet wurde. Selbst bei der sogenannten Biohaltung ist die Stallfläche je Tier gerade mal 0,17 m2 und somit nur 0,06 m2 größer als bei der Bodenhaltung.5 Auch wenn bei der Bio- und Freilandhaltung theoretisch 4 m2 bewachsene Auslauffläche je Henne gefordert ist, heißt das nicht, dass dieser Platz auch genutzt wird. Eine weite Fläche, bei der die Unterschlupfmöglichkeiten bis zu 150 m entfernt liegen darf ist nicht besonders attraktiv für ein Tier, dass in der Natur den Schutz des Waldrandes genießt.6 Es ist also nicht automatisch garantiert, dass der Auslauf genutzt wird, auch wenn das Wohl des Tieres theoretisch dadurch gesteigert werden kann.

Da die Legehennen zum Zeitpunkt der hormonell bedingten Mauser wenige bis gar keine Eier legen, wird diese mit beispielsweise Steuerung von Licht, Dunkelheit und Futter herausgezögert. Da sie aber nicht komplett umgangen werden kann, werden die Hennen meist vor dieser nicht lukrativen Phase geschlachtet und als Suppenhühner vermarktet.5

Eierfresser – Haus- oder Nutztier?

Es ist wohl ein bekanntes „Problem”, dass Hühner anfangen ihre gelegten Eier zu fressen. Natürlich ist das zu vermeiden, wenn man möglichst viele Eier produziert haben möchte. Allerdings spricht an sich nichts gegen dieses Verhalten. In den Eier befinden sich wichtige Nährstoffe, die das Huhn durch die Produktion des Eis verloren hat und somit zu gewissen Teilen zurückerlangt.7 Das spricht weniger gegen die Natur, als die Eier wegzunehmen und das Eierfressen als eine schlechte Angewohnheit zu bestrafen. Der einzige Grund, weshalb man Hühner keine rohen Eier fressen lassen soll ist, weil sie sich an den Geschmack gewöhnen und es dann wieder tun. An dieser Stelle ist ein Perspektivenwechsel angebracht: Ich höre sehr oft, dass viele Menschen nicht auf Eier verzichten wollen, weil diese besonders lecker seien. Gut, dass uns sie keiner deshalb vom Teller klaut.

Dadurch kommen wir zu einem ethischen Aspekt. Warum hält man sich Hühner eigentlich als Haustiere im Garten? Anders als bei Kaninchen, Hunden, Katzen und anderen typischen Haustieren, erwarten wir etwas von den Hühnern. Sie sind nicht nur da, um süß, zutraulich, intelligent oder unterhaltsam zu sein, sondern auch um uns Eier zu produzieren. Hier entsteht wieder die Unterscheidung in Nutztiere und Haustiere, obwohl man Hühnern weder ihre Persönlichkeit noch ihre Intelligenz absprechen kann.8

Natürlich stellt die hauseigene Haltung von Hühnern nicht das Hauptproblem dar. Viel schlimmer sind die Bedingungen und Folgen der Massentierhaltung. Trotzdem sollte man bei der Anschaffung von Hühnern darüber im klaren sein, ob man es für das Wohl des Tieres macht, z.B. durch die Rettung vor der Schlachtung, oder um frische Eier auf dem Tisch zu haben.

Salmonellen – Bakterien zum Frühstück

„Salmonellen sind Bakterien, die weltweit vorkommen. Eine Salmonellen-Erkrankung ist eine typische Lebensmittelinfektion, die Durchfall verursacht. Die Erreger vermehren sich im Magen-Darm-Trakt von Menschen und Tieren.”9 Besonders häufig sind tierische Erzeugnisse wie Fleisch und Eier von Salmonellen befallen, seltener Pflanzen, die beispielsweise mit fäkalienverschmutzen Wasser in Berührung seinen können.10 Im Internet finden sich unfassbar viele Tipps wie man mit der richtigen Hygiene Salmonellen aus rohem Fleisch und Eiern vernichten kann. Dabei kann ich aus eigener Erfahrung sagen, dass der Verzicht auf tierische Produkte im Vergleich wie ein Kinderspiel wirkt. 

Hier dazu ein Ausschnitt der Maßnahmen zu Salmonellenvermeidung der “Laves Niedersachsen”: 11

  • Fleisch, vor allem Geflügel, im Kühlschrank zugedeckt auftauen […] Wichtig ist, dass andere Lebensmittel damit nicht in Berührung kommen.
  • Für das Zerteilen von Fleisch am besten Plastikbretter verwenden, da sich Holzschneidebretter nicht bis in die Holzfasern reinigen lassen.
  • Nach der Verarbeitung von rohem Fleisch Hände gründlich waschen, Geräte und Arbeitsflächen, die mit dem rohen Fleisch in Kontakt kamen, säubern.
  • […]
  • Fleisch vor dem Verzehr gleichmäßig (d.h. auch im Inneren des Fleischstückes) 10 Min. auf eine Temperatur von mind. 70°C erhitzen
  • kein rohes oder halbgares Fleisch essen […]
  • gegarte Lebensmittel möglichst rasch abkühlen
  • Rohmilch, die nicht erhitzt wird und die man direkt vom Bauernhof beziehen kann, muss aufgekocht werden.
  • Beim Zubereiten in der Mikrowelle können in der erwärmten Speise „kalte Nester“ verbleiben, in denen die Erreger überleben; […]
  • […]
  • Für alle Speisen, die rohe oder nicht ganz durcherhitzte Eier enthalten – wie z.B. Pudding, Cremes, Tiramisu, selbsthergestellte Mayonnaise – immer ganz frische Eier verwenden. Die Speisen möglichst unmittelbar nach der Zubereitung verzehren (innerhalb von zwei Stunden) oder bis zum Verzehr kühl (unter +7°C) nicht länger als einen Tag lagern.
  • Kinder sollten keinen rohen Teig essen
  • frisches Fleisch möglichst rasch und kühl nach Hause bringen
  • Hackfleisch auch bei Kühlschranklagerung noch am Einkaufstag verbrauchen.
  • Rohe Eier nur im Kühlschrank lagern; Eierspeisen ausreichend hoch erhitzen

Die Frage der Gesundheit

So ganz einfach ist das mit dem Messen der Gesundheit einzelner Lebensmitteln wie dem Ei nicht. Da man bei Studien kaum verlangen kann, dass man sich ausschließlich von Eiern ernährt und oft der restliche Speiseplan außenvor gelassen wird, sind diese häufig nicht ganz eindeutig oder sogar widersprüchlich. Manche zeigen das Senken andere das Erhöhen des Risikos einer Herzerkrankung. Empfohlen wird jedoch nicht mehr als 6 Eier in der Woche zu essen. 12

Das Ei neu gedacht

Das Leid und Krankheitsrisiko des Tieres, dass durch die immense und unnatürliche Eierproduktion entsteht, steht der Gesundheit des Menschen gegenüber. Selbst wenn Eier gesund seien, ist es nicht etwas, dass uns Nährstoffe liefert, die wir nicht auch in Pflanzen finden. Noch gibt es keinen perfekten Ersatz für das Spiegel- oder Frühstücksei, allerdings ist das Ei der Zukunft schon in Arbeit. „TechCrunch.com“ ist mit der finanziellen Unterstützung von Bill Gates in der Entwicklung des „Beyond Eggs”. 13 Wenn das pflanzliche Ei nur halb so gut wie die “Beyond Meat” Brugerpattys wird, dann gibt es bald gar keine Gründe mehr an der längst überholten Omnivoren Ernährung festzuhalten. Und eins darf man dabei nicht vergessen: Nicht egoistische Gründe tierische Produkte zu konsumieren, gibt es praktisch nicht.

Quellen

  1. Schlachtzahlen 2019
  2. Qualzucht
  3. Anforderung der Schlachtungen
  4. Masthühner
  5. Stallflächen
  6. Die Lüge der Biohaltung
  7. Eier an Hühner zurückfüttern
  8. Intelligenz der Hühner
  9. Was sind Salmonellen?
  10. In welchen Lebensmitteln befinden sich Salmonellen?
  11. Salmonellen vermeiden
  12. Sind Eier gesund?
  13. Beyond Eggs

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