Mülltrennung und Zero Waste

Von Menschenhand werden unfassbar viele Güter entwickelt und hergestellt. Im Zuge wird jedoch häufig auch etwas anderes produziert und zwar Müll. Egal, ob Verpackungen, Einwegprodukte oder verdorbene Lebensmittel. Alles landet im Müll. Aus den Augen aus dem Sinn passt hier sehr gut, denn nur weil der Müll in einer Tüte landet und von der Müllabfuhr abgeholt wird, löst er sich nicht einfach in Luft auf. Wo landet unser Müll? Wie sinnvoll ist unsere Mülltrennung? Ist „Zero Waste“ eine wirkliche Alternative oder kaum umsetzbar?

Inhalt

Was passiert mit unserem Abfall?

Was ist eigentlich Müll? Die EU-Abfallrichtlinien definieren Abfall wie folgt: „Jeder Stoff oder Gegenstand, dessen sich sein Besitzer entledigt, entledigen will oder entledigen muss“. Und davon wurden 2016 über 23 Millionen Tonnen ins Ausland exportiert und somit aus unserer Verantwortung gegeben. Das kommt auch daher, dass Abfall nicht direkt mit Wertlosigkeit gleichzusetzen ist. Vieles ist anderweitig zu verwerten, recyceln oder enthält wertvoll Rohstoffe. Schwierig ist das mit den Verpackungsabfällen. Davon fallen in Deutschland jährlich etwa 18 Millionen Tonnen an und die Tendenz ist aufgrund von vermehrten Versandhandel und Lieferdiensten steigend. Ein Lichtblick ist die geplante Recyclingquote: Während 2019 nur 36 % der Kunststoffverpackungen recycelt werden müssen, sollen es im Jahr 2022 schon 63 % sein. Wobei dabei wohl immer fraglich ist, wie ökologisch sinnvoll die Verpackungen recycelt werden. Verpackungsmüll wird jedoch auch ins Ausland exportiert, da es sich beispielsweise in China aufgrund des niedrigen Lohnniveaus lohnt, den Müll händisch vorsortieren zu lassen. Außerdem sind die Kapazitäten deutscher Müllverarbeitungsanlagen nicht so groß als beispielsweise in China. Jedoch sind dort die Umweltstandards dort nicht mit denen in Deutschland vergleichbar und der Recyclingprozess sowie die Entsorgung der Sortierreste ohne Vorbehandlung tragen zur weiteren Vermüllung der Weltmeere bei.

Abfall kann also eine gute Quelle für Sekundärrohstoffe sein, muss es jedoch nicht. Die Rückgewinnung von Rohstoffen und die Ersetzung primärer Rohstoffe durch recycelte Materialien muss ein wesentlicher Teil des zukünftigen Abfallsystems sein, um nicht bei einer Vermüllung und Rohstoffknappheit herauszukommen. Dazu gehört aus sozialen und ökologischen Gründen auch der Export von Abfall, aber dabei müssen beispielsweise auch die Umweltstandards entsprechend angepasst werden. Um die entsprechende Ziele zu erreichen, muss jedoch auch die Industrie gesetzlich für eine gewisse Kostenübernahme verpflichtet werden. Die derzeit bestehende freiwillige Selbstverpflichtung ist einfach nicht ausreichend.1

Lohnt sich Mülltrennung?

Dass Mülltrennung nur funktioniert, wenn sie auch richtig durchgeführt wird, sollte klar sein. Die richtige Trennung ist vor allem deshalb wichtig, weil nur so die Sortiermaschine effektiv funktioniert und mehr Müll recycelt und dann weniger verbrannt ist. Wenn Fehlwürfe direkt festgestellt werden, so ist der Müll wertlos und nicht recycelbar. So ist es Beispielswiese bei Plastik im Biomüll. Dementsprechend hat jeder richtig getrennte Müll eine höhere Chance wiederverwertet statt verbrannt zu werden. Das wirkt sich positiv auf unsere Umweltbilanz aus. Zusätzlich kann es bei besser sortiertem Müll zu niedrigeren Müllgebühren kommen, weil dann weniger Energie und Zeit in die spätere Sortierung gesteckt werden muss.2

Was Glas angeht, so lohnt es sich auch hier, dieses entsprechend zu sortieren und entsorgen. Entgegen des allgemeinen Mythos, dass bei der Entleerung von Glascontainern am Ende eh alles zusammengeschüttet wird, hat der LKW, der das Altglas einlädt, drei Fächer für die unterschiedlichen Farben, welche von der Straße aus nicht zu erkennen sind. Da Glas sich beliebig oft einschmelzen und somit wiederverwertet lässt, ist sortenreines Glas besonders gefragt bei Recycling unternehmen. Die Wiederverwertung spart gegenüber der Herstellung aus Rohstoffen ein Viertel der Energie und die Rohstoffe müssen auch nicht aufwendig aufbereitet werden. Fast 90 % des gesammelten Altglases werden heutzutage recycelt. Was nicht im Altglas landen sollte sind Pfandflaschen, die mit weniger Energieaufwand bis zu 50 mal wiederverwertet werden können.3

Doch wie trennt man den Müll nun richtig? Hier sind ein paar Grundsätze der Mülltrennung in Deutschland. Wenn man sich mal unsicher ist, findet man im Internet meist recht schnell die richtige Entsorgungsweise. Gerade, weil es bei manchem Abfall von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich ist.

Die richtige Trennung4

Gelber Sack

Hier hinein gehören Verpackungen aus Kunststoff, Weißblech und Aluminium sowie Verbundverpackungen wie Getränkekartons.

Seit 2009 ist es nicht mehr ausschlaggebend, ob der Grüne Punkt auf den Verpackungen ist oder nicht.

Leere Verpackungen müssen nicht gespült werden, löffelrein reicht aus. Zu den Verpackungen zählen auch die so genannten Serviceverpackungen, die direkt im Handel befüllt werden. Darunter fallen Coffee to go-Becher, die Styroporbox für das Take-away-Essen und Folien.

Glascontainer

Hier werden alle Einwegglasflaschen oder -gläser gesammelt. Blaues oder andersfarbiges Glas gehört in den Sammelbehälter für Grünglas. Deckel aus Kunststoff oder Metall gehören in die Gelbe Tonne. Allerdings macht es nichts, wenn Sie vergessen haben, sie abzuschrauben.

Passt nicht zum Altglas:
Glühbirnen oder feuerfestes Glasgeschirr dürfen nicht in die Sammelcontainer. Auch Keramik und Porzellan stören beim Glasrecycling.

All diese Abfälle gehören in die Restmülltonne.

Papiertonne

Wer Zeitungen, Zeitschriften, Schreibpapier, Verpackungen aus Pappe oder Geschenkpapier in der Papiertonne entsorgt, trägt zur umweltfreundlichen Wiederverwertung bei.

Tabu sind allerdings Fax- und Thermodruckerpapier zum Beispiel Kassenbons, imprägnierte und beschichtete Papiere, Kohlepapier, Styropor, Tapetenreste und verschmutzte Papiere wie gebrauchte Taschentücher und mit Essensresten verschmiertes Papier.

Diese Papiere bitte in die Restmülltonne geben.

Biotonne

Hier können alle zur Kompostierung geeigneten organischen Abfälle, wie Pflanzenreste und Gartenabfälle, Obst- und Gemüseabfälle, aber auch Kaffee- und Teefilter landen. Allzu feuchte Abfälle sollten jedoch zuvor in Papier gewickelt werden.

Asche, Tierkot, Staubsaugerbeutel oder behandelte Hölzer gehören hingegen grundsätzlich in den Restmüll.

Sondermüll

Produkte mit schädlichen Inhaltsstoffen dürfen nicht in die Restmülltonne geworfen werden. Dazu gehören etwa Renovierungsabfälle, Reinigungsmittel, Spraydosen, Gartenchemikalien mit Gefahrstoffsymbolen und quecksilberhaltige Thermometer. Sonderabfälle können Sie in haushaltsüblichen Mengen bei kommunalen Sammelstellen kostenlos abgeben.

Elektrogeräte

Seit 2006 müssen Elektro-Altgeräte getrennt gesammelt werden. Dazu zählen: Defekte Toaster, kaputte Bügeleisen, ausrangierte Laptops, Scanner und Drucker, aber auch blinkende Turnschuhe oder Kabel.

Elektrogeräte müssen bei kommunalen Sammelstellen abgegeben werden.

Leuchtstofflampen und LEDs

Energiesparende LED- und Leuchtstofflampen müssen zu den kommunalen Sammelstellen für Elektroschrott gebracht werden. Die Abgabe ist immer kostenlos. Die Bestandteile der Lampen – wie Glas, Metalle und Leuchtstoff – können nur dann recycelt werden, wenn sie separat gesammelt werden.

Es ist wichtig, dass alle Entladungslampen unversehrt gesammelt werden, weil ansonsten das giftige Schwermetall Quecksilber unkontrolliert in die Umwelt gelangen kann.

Sperrmüll

Für Mülltonnen unpassende Abfälle gelten als „Sperrmüll“ und werden gesondert abgeholt, dazu zählen insbesondere ausrangierte Möbel, Matratzen, Tapetenreste, alte Teppiche. Die Entsorgung von Sperrmüll ist in den Kommunen und Kreisgebieten unterschiedlich geregelt. 

Große Elektrogeräte gelten als Elektroschrott und werden in manchen Kommunen auch bei der Sperrmüllsammlung mitgenommen.

Restmüll

Wird alles richtig getrennt, bleibt für die Restmülltonne nicht mehr viel übrig. Hier hinein gehören beispielsweise Asche, Tierkot und Streu, verschmutzte Papiere, Hygieneartikel und Windeln, Staubsaugerbeutel, defekte Glühbirnen, ausgetrocknete Filzstifte, Zigarettenkippen, alte Fotos, zerbrochenes Porzellan oder Glas und – wer noch keine Wertstofftonne hat – auch kaputte Kunststoff- oder Haushaltsgegenstände.

Zero Waste

Noch besser als den Müll richtig zu trennen, ist natürlich Müll aller Art, wo es auch nur geht, zu vermeiden. Gerade bei Plastik macht es einen großen Unterschied, denn Plastik ist anders als natürliche Rohstoffe nicht immer recycelbar und braucht oft mehrere Hundert Jahre bis Plastik zersetzt ist. Plastik oder auch allgemein Müll zu vermeiden, ist nicht immer schwierig. Wer sich einmal mehr mit dem Thema auseinandergesetzt hat, wird schon einmal über den Begriff „Zero Waste“ gestolpert sein. Bei Zero Waste handelt es sich um eine „nach Nachhaltigkeit strebende Philosophie. Sie verfolgt das Ziel, ein Leben zu führen, bei dem möglichst wenig Abfall produziert und Rohstoffe nicht vergeudet werden. Es soll insbesondere durch Konsumverweigerung, Abfallvermeidung, Reparaturen, Wiederverwendung, Kompostierung und Recycling erreicht werden.“ 5

Ähnlich wie in dem Beitrag zu „Fast Fashion“ geht es also darum, weniger zu kaufen, Sachen länger zu verwenden und richtig oder am besten gar nicht zu entsorgen. Neben Kleidung kann es sich dabei um alles Mögliche handeln, bei dem man möglichst wenig Abfall produziert: Unverpacktes Obst und Gemüse, (Küchen-)Geräte unter Nachbarn, Freunden und in der Familie zu verleihen oder eben auch nach Möglichkeit in Unverpacktläden einzukaufen. Ähnlich wie beim Veganismus geht es nicht darum perfekt zu sein und gar keine tierischen Produkte zu essen/verwenden beziehungsweise gar keinen Müll zu produzieren, sondern viel mehr darum sich seinem eigenen Konsum bewusst zu werden und Schritt für Schritt zu reduzieren. Lieber „Less Waste“ anstatt dem Thema gar keine Aufmerksamkeit zu schenken.

Zero Waste im Alltag.6

Kauf lieber …

  • Große Packungen
  • Glas
  • Pfandflaschen
  • Gebrauchte Kleidung

… statt …

  • Mehrfachpackungen
  • Plastik
  • Einwegflaschen
  • Fast Fashion

Verwende lieber …

… statt …

  • (Plastik-)Einwegtüte
  • Alu- und Frischhaltefolie
  • Flüssigseife und -shampoo
  • Tampons und Wegwerfbinden
  • Batterien
  • Wegwerfwindeln
  • Kugelschreiber
  • Plastikzahnbürste

Was man sich angewöhnen sollte …

  • Kassenbeleg nicht drucken lassen
  • Kaffeesatz für geeignete Pflanzen zum Düngen verwenden
  • Überreifes Obst und Gemüse in Smoothies verarbeiten statt wegzuschmeißen
  • „Keine Werbung“-Aufkleber gegen die Werbeflut anbringen
  • Brot- und Gebäcktüten weiterverwenden
  • Zeitungen als Geschenkpapier benutzen
  • Kleidung verkaufen oder verschenken, wenn sie nicht mehr passt/gefällten
  • Getränke ohne Strohhalm bestellen
  • Nach Möglichkeit eigene Gefäße für Take-Away-Gerichte
  • Wiederverwendbare Kaffeebecher für den Kaffe To-Go mitbringen
  • Weniger drucken
  • Paketverpackungen mehrfach verwenden

Quellen

  1. Was passiert mit unserem Müll?
  2. Mülltrennung
  3. Altglas
  4. Mülltrennung Grundlagen
  5. Was ist Zero Waste
  6. Zero Waste Tipps

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