Pflanzliche Ernährung

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Veganismus – Was ist das eigentlich?

Wer das Wort vegan schon mal gehört hat, weiß, dass man noch weniger Essen kann als ein:e Vegetarier:in – Also nicht nur kein Fleisch und Fisch, sondern auch keine tierischen Produkte, zusammenfassend also nichts, das von einem Tier kommt, oder? Im großen und ganzen ist das erstmal richtig, aber was ist, wenn ein Tier bei der Herstellung eines Produktes zu schaden gekommen ist, ohne dass dieses oder dessen Teile später im Endprodukt landen?

Zunächst mal kann man sagen, dass Veganer:innen zwar auf einige Lebensmittel bewusst verzichten, jedoch bedeutet das nicht, dass sie auch weniger essen. Ganz im Gegenteil, als Veganer:in entdeckt man viele Lebensmittel und Rezepte neu. Der Speiseplan wird nicht minimiert, sondern angepasst und umgewälzt. Statt tierische Lebensmitteln isst man mehr Hülsenfrüchte, Nüsse, Gemüse und Sojaerzeugnisse.

Die „Vegan Society of England“ definierte 1979 den Veganismus wie folgend: „Veganismus ist eine Lebensweise, die versucht – soweit wie praktisch durchführbar – alle Formen der Ausbeutung und Grausamkeiten an leidensfähigen Tieren für Essen, Kleidung und andere Zwecke zu vermeiden; und in weiterer Folge die Entwicklung und Verwendung von tierfreien Alternativen zu Gunsten von Mensch, Tier und Umwelt fördert. In Bezug auf die Ernährung bedeutet dies den Verzicht auf alle Produkte, die zur Gänze oder teilweise von Tieren gewonnen werden.“ 1

Das Wohl der Tiere steht im Vordergrund und beeinflusst dadurch unser Ess-, aber auch Kaufverhalten. Zusammenfassend gibt es drei verschiedene Hauptgründe, weshalb man sich dazu entscheidet, vegan zu leben: Umwelt, Gesundheit und Ethik. Diese funktionieren unabhängig voneinander, können sich aber auch gegenseitig bestärken.

Alles Erbsenzähler:innen?

Besonders interessant bei der Definition der „Vegan Society of England“ ist aber der kleine Einschub „soweit wie praktisch durchführbar“. Die Wichtigkeit dieses Einschubs wird einem bewusst, wenn man sich aktuellen Beispielen wie der Covid-19-Impfung widmet. Impfungen werden häufig mithilfe von Tierversuchen erforscht und hergestellt. 2 Zwar möchten Veganer:innnen das generell erstmal nicht unterstützen, jedoch trägt eine Impfung gegen einen gefährlichen Virus zum Gemeinwohl bei und ist ein wichtiger Schritt, um eine Pandemie zu überwinden. Veganer:innen können sich zwar auch bewusst gegen eine Impfung entscheiden, doch wenn sie dies nicht tun, würden sie dadurch nicht weniger Teil der Bewegung sein.

Im Endeffekt kann jeder seine eigenen Entscheidungen treffen – egal, was er isst und wie viel. Inzwischen gibt es fast zu jedem tierischen Produkt ein veganes Pendant. Wenn das mal nicht der Fall ist, kann man immer noch entscheiden, ob man – wenn keine Kennzeichnung vorhanden ist und es bei einem Produkt unklar ist – nun glaubt, ob das Produkt jetzt vegan ist oder nicht. So ist es zum Beispiel bei Getränken oft nicht klar, wodurch diese gefiltert und gefärbt wurden. An dieser Stelle muss sich jeder seine eigenen Grenzen ziehen. Solange diese Entscheidung jedoch bewusst und reflektiert getroffen wird, ist das wahrscheinlich auch niemandem ein Dorn im Auge.

Vegan, vegetarisch oder flexetarisch?

Den Begriff „vegan“ haben wir also definiert und wie bereits erwähnt umfasst vegetarische Kost alle Nahrungsmittel außer das Fleisch von Tiere: Also kein Fleisch und kein Fisch. Flexetarier:innen hingegen schließen Fleisch und Fisch nicht grundsätzlich aus, verzehren Tiere und tierische Lebensmittel allerdings nur selten. 3

Eines der Hindernisse in der veganen Bewegung ist die Bezeichnung des Vegan-Seins selbst. Die Definition macht zwar mehr oder weniger klar, wer vegan is(s)t und wer nicht, doch diese ganzen Ernährungsbezeichnungen können auch schnell hinderlich sein. Das merkt man vor allem dann, wenn diese Begriffe ein „Schwarz und Weiß“ suggerieren. Wenn sich nur Vegetarier:in nennen darf, wenn man nie wieder im Leben Fleisch isst, dann ist das für die meisten Menschen zu endgültig und sie lassen es lieber ganz. Am wichtigsten ist jedoch eigentlich, dass sich mehr mit der Thematik auseinandergesetzt, weniger Fleisch, mehr pflanzlich gegessen wird und vor allem weniger Tiere ausgebeutet werden. Leider geht dieser Gedanke oft unter, denn Veganismus wird von der breiten Masse der Gesellschaft immer noch als sehr extrem angesehen und anstatt sich mit dem Thema auseinander zu setzten und einen Kompromiss zu finden, ändert man dann doch oft lieber gar nichts. Nur weil man Käse gerne mag, heißt das nicht, dass man sich einen Zacken aus der Krone bricht, Milch oder Eier zu ersetzen.

Jeder, der weniger Fleisch und tierische Produkte isst, trägt dem Vorankommen der veganen Bewegung bei und bringt uns einen Schritt näher, der Tierausbeutung endlich ein Ende zu setzen. Es muss nicht jeder auf der Welt vegan werden, um die systematische Ausbeutung von Tieren zu reduzieren oder sogar einzudämmen. So wäre es zumindest schon mal ein Anfang sich an den Orientierungswert der DGE (Deutsche Gesellschaft für Ernährung) zu halten und pro Woche nur 300 – 600 g zu konsumieren. 4

Ernährungsumstellung

Anders als bei vegetarische Ernährung, gestaltet sich die Umstellung auf eine vegane Ernährung von dem einen auf den anderen Tag als etwas komplizierter. Aber warum?

Zunächst sind eigentlich immer noch tierische Produkte im Kühlschrank und im allgemeinen Kochsortiment. So ist beispielsweise oft auch Gemüsebrühe oder andere Gewürzmischungen nicht vegan und diese ganzen Produkte wegzuwerfen ist wesentlich schlechter für die Umwelt, als sie im Prozess des Vegan-Werdens noch zu verbrauchen. Hier kommt es dann aber auch darauf an, aus welchem Grund man vegan ist. Wenn es nur der Umwelt zu Liebe ist, dann sollte man die übrigen tierischen Produkte noch verwerten. Will man aus ethischen Gründen vegan werden, dann ist es sinnvoller, die Produkte an die Familie oder Bekannte zu verschenken. So werden sie nicht weggeworfen und trotzdem, muss man nichts essen, was man nicht essen mag.

Ja und wenn der Kühlschrank dann leer ist, dann muss man sich auch beim Einkaufen in den ersten Wochen eingewöhnen. Man muss schließlich erkennen, was man essen kann. Zum Glück ist ja unverarbeitetes Gemüse, Obst und Nüsse vegan. Bei vielen anderen Produkten muss man entweder auf das Kleingedruckte oder ein Vegan-Siegel schauen. Alternativ gibt es auch einige Apps mit denen man inzwischen den Barcode eines Produkts auslesen kann und alle Inhaltsstoffe aufgelistet bekommt. Nach und nach hat man den Dreh allerdings schnell raus und dann ist das auch keine Hürde mehr.

Auf vielen Speisekarten werden heutzutage vegetarische und vegane Speise als diese markiert und die Möglichkeit zu fragen hat man ja im Notfall auch immer. Da Allergene in Speisekarten oder zumindest auf einer Extrakarte deklariert werden müssen, lohnt es sich auch danach zu schauen und zu fragen, da viele tierische Produkte auch auf diese Weise herauszufinden sind.

Ein weiterer unterschätzender Punkt ist der Darm, der einem bei einer kompletten Ernährungsumstellung zu schaffen machen kann. Die Darmflora muss sich zunächst umgewöhnen und um Darmprobleme zu vermeiden, sollte man nach Möglichkeit auch eine gewisse Übergangsphase einplanen.5 Das liegt vor allem an dem erhöhten Konsum von Hülsenfrüchten. Man wird aber auch merken, dass sich nach einer gewissen Zeit auch die Lust auf Fleisch verringert. Gerade, wenn man sich mehr mit der Ethik auseinandersetzt, beginnt man Fleisch, Milch und Eier viel realer wahrzunehmen. Fleisch ist ein totes Tier, Milch ein Erzeugnis für Kälber und Eier stehen in der direkten Verbindung mit leidenden Hühnern.

Es ist zwar etwas schonender Schritt für Schritt vegan zu werden, aber das ist natürlich kein Muss. Wichtig ist einzig und allein sich umfassend zu informieren und mit dem Thema auseinanderzusetzen. Dazu gehören dann auch folgende Themen: Supplemente, Ersatzprodukte oder vollwertig pflanzliche Ernährung.

Quellen

  1. Vegan Society Definition
  2. Tierversuche für Impfungen
  3. Flexetarismus
  4. DGE Empfehlung
  5. Verdauung bei Ernährungsumstellung 

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